News Blog

Neues, Interessantes und Wissenswertes ...

Sie haben die Möglichkeit, die hier eingestellten Blog-Beiträge zu kommentieren. Um einen Kommentar zu schreiben, klicken Sie einfach oben auf die farbige Überschrift oder am Ende des Beitrags auf "Kommentare". Ich freue mich über jedes Feedback!

« Zurück 19 10 Weiter »

von Peter Pulst am 22.12.2009 um 18:13:21

Körperprotein fängt Schweinegrippe-Erreger schon an der Zellmembran ab.

Eine Gruppe körpereigener Proteine macht Viren wie dem Schweinegrippe-Erreger erfolgreich den Garaus: US-Forscher haben herausgefunden, dass die IFITM genannte Eiweißfamilie bis zu 90 Prozent der Krankheitserreger schon bei dem Versuch abtötet, sich zur Vermehrung in eine Körperzelle einzuschleichen. Je mehr der Agenten gegen die Schweinegrippe-Viren Wache halten, desto leichter verläuft die Erkrankung: Einige Patienten kommen so mit einem leichtem Schnupfen davon. Die Wissenschaftler arbeiten daher an einem Verfahren, die Proteingruppe mit einem Trick gezielt direkt zur Zelloberfläche zu bringen und damit den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

IFITM wird auch gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Gelb-, Westnil- und Dengue-Fieber aktiv.

"Ohne IFITM vermehrt sich ein Schweinegrippe-Virus in einer Körperzelle bis zu zehn Mal schneller", beschreibt Studienleiter Stephen Elledge von der Harvard Medical School die Schutzkraft der Proteine. "Weil sie an der Zellwand sitzen und Moleküle aller Art auf dem Weg in die Zelle kontrollieren, bilden sie die vorderste Verteidigungslinie des Körpers gegen Viren."

In Experimenten mit Zellen von Mäusen und Menschen wiesen die US-Forscher nach, dass dem Angreifer keine Zeit bleibt, sein gefährliches Erbmaterial einzuschleusen. Wenn Zellen infiziert sind, reagieren sie mit dem immunstimulierenden Hormon Interferon, das gegen Viren und Tumore aktiv wird. "Interferon gibt den Zellen mehr Schutz als IFITM, aber als wir in den Versuchen das Protein ausschalteten, ließ seine Wirkung stark nach", berichtet Elledge. Medikamente auf Basis von IFTIM könnten künftig über sogenannte Liposome im Körper an ihren Bestimmungsort transportiert werden: In winzigen Kügelchen von wasserabweisenden Molekülen reisen sie zur Zelloberfläche. "Das dürfte den Schutz in der alljährlich wiederkehrenden Grippesaison erhöhen", meint Elledge.

Das ist ohne weitere Grundlagenforschung allerdings noch Zukunftsmusik: Noch wissen die Forscher nicht, wie eine Zelle auf die massenhafte Verabreichung der Proteingruppe reagiert. Erforscht werden muss zudem, wie der Antiviren-Schutz mit den verschiedenen Techniken zurechtkommt, mit denen Viren an Zellen andocken. Auch werden nicht alle Viren abgewehrt: So lässt IFTIM beispielsweise das Aids- oder Hepatitis-C-Virus passieren.

Die Proteingruppe ist ein alter Bekannter der Medizin: Vor 25 Jahren hatten Wissenschaftler Tausende von Genen identifiziert, die bei Virenbefall vom Immunsystem zur Wirkstoffproduktion aktiviert werden. Darunter befanden sich auch die IFITM-Gene, die in vielen Lebewesen nachgewiesen wurden – angefangen bei Fischen bis hin zu Hühnern.

Quelle: ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher
Stephen Elledge (Harvard Medical School, Boston) et al.: Cell, doi:10.1016/j.cell.2009.12.017

« Zurück 19 10 Weiter »